David Hohl als Zeuge des Genozids in Ruanda in Lukas Bärfuss’ „Hundert Tage Academic Article uri icon

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  • David Hohl als Zeuge des Genozids in Ruanda in Lukas Bärfuss’ Hundert Tage James Meja Ikobwa (University of Stellenbosch) Einführung David Hohl, ein 24 jähriger Schweizer verlässt im Jahre 1990 sein Land, um als Entwicklungshelfer nach Ruanda zu gehen. Vier Jahre später wird David Hohl dort Zeuge des letzten großen Völkermordes im 20. Jahrhundert. Zu Beginn des Romans Hundert Tage1 von Lukas Bärfuss, erscheint der Prota- gonist David als ein traumatisierter, gebrochener Mann, wie der Erzähler in der Rahmenerzählung in seiner Begegnung mit ihm gleich im ersten Satz feststellt, denn diesen plagen die Erinnerungen an die schrecklichen Ereig- nisse des Genozids. Seine Erinnerungen, die im Roman nach und nach auf- gerollt werden, setzen sich mit dem wahren Charakter der Schweizer Ent- wicklungsarbeit auseinander, mit der Verwicklung des Westens in den Völkermord, mit Widersprüchen in westlichen Wertvorstellungen und schil- dern schließlich auch den Versuch, die Wurzeln des Genozids zu ergründen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz – von hier aus legt er sein Zeugnis ab – kann David Hohl das Trauma der Zeugenschaft nicht überwinden und ist auch nicht in der Lage, sich wieder in seine ihm ehemals vertraute Gesell- schaft zu integrieren. Im Roman heißt es, er „habe nach einem Flecken gesucht, wo er in Ruhe leben könnte, aber nach ein paar Monaten sei er weitergezogen, von einem möblierten Zimmer in das nächste“ (HT 9). Lützeler2 identifiziert in dem abrupten Abbruch der

publication date

  • 2012

number of pages

  • 10

start page

  • 107

end page

  • 117

volume

  • 108